Gemeint ist ein Unterricht, bei dem die Lernarbeit getragen bzw. gesteuert wird von der Lösung eines den Schülern bekannten relativ komplexen Problems/einer Frage/ einer Aufgabe (Dohnke).
Individuen stehen vor einer Herausforderung, wenn sie sich in einer Situation nicht mehr angemessen orientieren können, d.h. ihr Orientierungswissen, ihr vertrautes Wissen und Können trägt sie nicht mehr in gewohnter Weise. Daher hat ein Problem die Form: »Ich kenne mich nicht aus.« Somit ist das Individuum herausgefordert und bemüht, eine neue Orientierung zu gewinnen. Die durch die neue Situation aufgeworfene Frage, wie man sich verhalten solle, wird mit einem Entwurf beantwortet, der die gewünschte Orientierung ermöglicht. Diesen Entwurf gilt es zu prüfen und zu erproben. Probleme gibt es in diesem Verständnis in allen Fächern, also z.B. nicht nur in Geschichte, Erdkunde, Mathematik oder den Naturwissenschaften. Wir sollten z.B. auch im Sport-, Musik- und Kunstunterricht von „Problemen“ sprechen, also: Wie muss ich werfen, damit ein Ball möglichst weit fliegt? Welche Beinbewegungen erlauben mir beim Kraulen besonders schnelles Schwimmen? Wie kann ich mit vorgegebenen Instrumenten das Herannahen und sich Entfernen eines Zuges klanglich darstellen? Mit welchen Farben usw. kann ich im Bild, im Video, ... eine bestimmte Stimmung darstellen? Mandl, H. u.a.
Es können unterschiedliche Arten von Problemen unterschieden werden:
vgl. Spörhase-Eichmann 139
Häufig wird die Problemorientierung mit dem Namen Wagenschein verbunden. Martin Wagenschein hat für den naturwissenschaftlichen Unterricht empfohlen, sinnvolle Probleme durch das sokratische Gespräch zu lösen. Durch geschickte Fragen soll der Lehrer/die Lehrerin die Schüler zur Lösung des Problems führen. Wagenschein geht davon aus, dass dem Problem die Lösung innewohnt.
Eine Variante des problemorientierten Unterrichts stellt das Entdeckende Lernen dar. Hierbei wird ebenfalls von einer problemhaltigen Situation ausgegangen. Den Schülerinnen und Schülern sollen nun Materialien zur Verfügung gestellt werden, die es ihnen ermöglichen Antworten zu finden.
Denkbar ist auch eine philosophische Ausrichtung, bei der Fragen gestellt werden, die nicht exakt beantwortbar sind. Dennoch regen sie zum nachdenken und philosophieren an. Diese Fragen können auch innerhalb der "normalen" Fächer genutzt werden.
Solche Fragen können in Form von Nachdenkgesprächen genutzt werden. Die Zeitschrift "Grundschule - Sachunterricht" hat ein ganzes Heft hierzu gestaltet (Nr. 31; 2006). Hierin finden Sie viele nutzbare Fragen, die nach Themen geordnet sind und jeweils für die Klasse 1/2 und 3/4 differenziert werden.
"Philosophische Fragen sind Fragen, die spannend und interessant sein, über die vielen Menschen bereits seit Jahrtausenden nachgedacht haben und die sich dadurch auszeichnen, dass es nicht eine klar zu bestimmende "richtige" Antwort oder Lösung, sondern verschiedene Deutungs- und Antwortmöglichkeiten gibt" (Grundschule - Sachunterricht Nr. 31; 2006, S. 9).
Bsp. 1: Warum ist die Banane krumm?
Bsp. 2: Wie entstehen Schatten?
Bsp. 3: Sterben blonde Menschen aus?
Bsp. 4: Hat Luft ein Gewicht?
Bsp. 5: Kann ein Wassertropfen zweimal über Köln aus einer Wolke tropfen?
Bsp. 6: Woher kommt unser Trinkwasser?
Einstieg |
Problem/Frage als Ausgangspunkt |
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Erarbeitung |
Recherchieren der Schüler |
Handlungsorientierte Erarbeitung |
Fragend - entwickelnde Erarbeitung |
Schluss |
Klärung des Problems/der Frage |